Zucchini und Äpfel, Getreide und Kürbisse, Sonnenblumen und Trauben – einmal im Jahr finden die reichen Gaben der Natur ihren Weg in die christlichen Kirchen. Der Altar ist dann mit prächtigen, farbenfrohen Arrangements geschmückt, die Menschen bringen Obst und Gemüse in Prozessionen in die Gotteshäuser. Am ersten Sonntag im Oktober feiern die deutschen katholischen Gemeinden das Erntedankfest.
Diesen Termin hat die Deutsche Bischofskonferenz im Jahr 1972 festgelegt. Hier weiterlesen
Dank zu sagen für all das, was Menschen von der Schöpfung als Gaben empfangen haben, ist ein Grundanliegen des Glaubens. Schon das Volk Israel kennt ein solches Herbstfest, an dem es sich der eingebrachten Gaben erfreut: Es ist das Laubhüttenfest, Sukkot, das bis heute im Judentum gefeiert wird. Die Anweisung zu diesem Fest, die sich im Buch Deuteronomium findet, ist ziemlich ausdrücklich: "Wenn dich der Herr, dein Gott, in allem gesegnet hat, in deiner Ernte und in der Arbeit deiner Hände, dann sollst du wirklich fröhlich sein." (Dtn 16,15) Danksagung und Fröhlichkeit gehören an diesem Fest eng zusammen. Angesichts der Ernte, die eingebracht wurde, muss Gott Dank gesagt werden – und man darf sich freuen, dass man wieder einmal so reich mit den Gaben der Schöpfung beschenkt worden ist. Freude und Dank sind die beiden Grundpfeiler des Sukkot-Festes, an dem das Volk Israel seit alter Zeit die Schöpfungsgaben vor das Angesicht Gottes trägt.
Eine moderne Interpretation des Erntedank-Festes entfernt sich von einer rein nostalgischen Feier. An diesem Tag ist es wichtig, nicht nur die heimischen Erntegaben vor den Altar zu stellen, sondern so vieles mehr, was Menschen tagtäglich im Supermarkt einkaufen können. Wir dürfen an Erntedank nicht nur für die Ernte hier in unserem Land danken. Vielmehr ist es wichtig, die ganze Welt in den Blick zu nehmen, aus der die Gaben kommen, die tagtäglich konsumiert werden. Hier weiterlesen