„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...“ (Mt 4,4)
„Am Leben Gottes, der Dreifaltigkeit der Liebe, teilzuhaben, ist ... »vollkommene Freude« (vgl. 1 Joh 1,4). Und es ist die Gabe und unverzichtbare Aufgabe der Kirche, die Freude zu vermitteln, die aus der Begegnung mit der Person Christi kommt, dem Wort Gottes, das mitten unter uns gegenwärtig ist.
In einer Welt, die Gott oft als überflüssig oder fremd empfindet, bekennen wir wie Petrus, dass nur er »Worte des ewigen Lebens« (Joh 6,68) hat. Es gibt keine größere Priorität als diese: dem Menschen von heute den Zugang zu Gott wieder zu öffnen, zu dem Gott, der spricht und uns seine Liebe mitteilt, damit wir Leben in Fülle haben (vgl. Joh 10,10).“ (aus „Verbum Domini“, Papst Benedikt XVI., 2010)
Ohne Worte, ohne Ansprache, Rede und Gegenrede geht der Mensch ein (siehe Kaspar Hauser). Bereits ein freundliches Wort, ja schon ein hörinteressiertes Ohr beginnen, eine kommunikationsfrische Atmosphäre anzuregen. Aber es gibt auch das zuschüttende, blockierende und übergriffige Sprechen, Worte, die uferlos über einen herfallen, ein Sprechen, das beleidigt, verletzt, zum Rufmord wird.
Wo höre ich neben der „Spreu“ Worte von „Ewigkeitswert“, wer spricht sie? In welcher Situation empfange ich sie?
Johannes beginnt sein Evangelium: „Im Anfang war das Wort... ." Von Gott her tönt durch die ganze Schöpfung sein Klang: aus dem Rotkehlchen, dem Gänseblümchen, dem Planet Jupiter, der Hohen Zinne in den Dolomiten... Und immer ist es die Klangfarbe der alles verbindenden Liebe, die uns zuspricht: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder und für dein Leben ganze Völker“ (Jes43,4). Und es ist uns bezeugt, dass Gott noch mehr gibt: das ganze Wort, ausgefaltet im Gottmenschen Jesus Christus - das zusagende, mitfühlende, verstehende, barmherzige, aufrichtende, ermutigende, heilende... Wort.
Nicht nur unsere Gottesdienste sind Orte dieses Wortes. Unzählige Gelegenheiten für das Hören und für das eigene Weitersprechen in der Gestimmtheit Jesu warten täglich auf uns. Und doch baut die Regelmäßigkeit im Hören und Mitsprechen des ankommenden Gotteswortes am geprägten Ort mit dem Namen «Sonntag» den Menschen auf längere Zeit hin betrachtet anders auf, als dort, wo er die Wieder-Holung nicht sucht und wahrnimmt.