Der Ortsname „Steinenstadt“ leitet sich möglicherweise von der Bedeutung „steinige Stätte“ ab. Es könnte sein, dass darin ein Hinweis auf römische Bauten enthalten ist. Der Ort liegt im offenen Altsiedelland auf einem Vorsprung des Rheingestades.
In einer Urkunde vom 31. August 790 schenkte Kaiser Karl der Große zu Kostheim dem Kloster St. Martin in Tours das Gut Steinenstadt im Herzogtum Alemannien. 993 wird Steinenstadt als Doppelort Rinken-Steinenstadt genannt, es muss also einen Ort oder Ortsteil Rinken gegeben haben.
Die ursprünglichen Kirchen „Unsere Liebe Frau“ (abgerissen um 1463), „St. Barbara“ am Maierhof in Klein-Steinenstadt (abgerissen nach 1781) und die St. Martinskirche in Groß-Steinenstadt (abgerissen um 1812) bestehen heute nicht mehr. Stattdessen wurde 1780/1781 ein Neubau errichtet. Die katholischen Kirchen „St. Barbara“ und „St. Martin“ erhielten das Patrozinium der „alten Kirche St. Barbara“ übertragen.
Die Hochufer-Linie des Rheins verändert sich ständig, was zu zahlreichen Hochwasserkatastrophen führte. Erst nach der Rhein-Korrektur durch Johann Gottfried Tulla verbesserte sich die Situation. Die Gestalt des Dorfes ist diejenige eines alemannischen Haufendorfes beidseits des Hohlebachs; südlich des Bachlaufs reicht die Bebauung bis an das Hochufer des Rheins.
Politisch war Steinenstadt bis 1803 ein Bestandteil der Hochstift-baslerischen Vogtei Schliengen. Nach seinem Anschluss an Baden kam Steinenstadt zum Bezirksamt Müllheim. Im Zweiten Weltkrieg wurden 40 % der Häuser völlig zerstört, der Wiederaufbau dauerte bis 1955.
Am 17. Mai 1974 wurde die Partnerschaftsurkunde mit Neuenburg am Rhein unterzeichnet, die zur Eingemeindung von Steinenstadt ab 1. Januar 1975 führte. Im südlichsten und zugleich größten Stadtteil leben rund 1400 Einwohner in harmonischer Umgebung in Rheinnähe.
Im Jahre 1990, zum 1.200-jährigen Gedenken der ersten Erwähnung Steinenstadts, erfolgte die Einweihung des neu gestalteten Kirchplatzes mit Errichtung des Barbara-Brunnens in Sandstein, einem Werk von Franz Aechtele aus Steinenstadt. Der Brunnenstock wird gekrönt von der Figur der Heiligen Barbara, der Brunnentrog geschmückt von den Wappen der Stadt Neuenburg am Rhein, des Hochstifts Basel und von St. Martin in Tours.
Neue Glocken für die Pfarrkirche St. Barbara
1979 wurde der Innenraum der Kirche das letzte Mal renoviert. Also 38 Jahre ohne größere Neugestaltungen, eine lange Zeit! Mit dem Austausch der Glocken fanden die Renovierungsarbeiten, die 2018 begannen, in unserer Kirche 2019 ihren Abschluss. Grund der Erneuerung der drei Glocken war das von unserem Glockensachverständigen Wittekind ausgestellte Gutachten, in dem besonders die Stahljoche beanstandet wurden. Da unsere Glocken zudem das reife Alter von knapp 100 Jahren erreicht hatten, konnte auch die Verwendung dieser alten Glocken nicht mehr befürwortet werden. Die neuen Glocken wurden nun mit Holzjochen ausgestattet.
Die im Dezember 2018 gegossenen Glocken sind der Hl. Maria, der Hl. Barbara sowie dem Hl. Martin gewidmet. Die Schlagtöne erklingen in c‘‘, es‘‘ und f‘‘. Die Glocken bringen gemeinsam stattliche 700 kg auf die Waage und haben Durchmesser von 800 mm, 690 mm und 630 mm.



Die Anlieferung der neuen Glocken war am Dienstag, 26. März 2019. Am Sonntag, 07. April 2019 um 17:00 Uhr feierten wir mit einem Festgottesdienst die Glockenweihe. Pünktlich zur Osternacht, am 20. April 2019 in der Hl. Messe um 20:00 Uhr, erklangen unsere „Neuen“ zum ersten Mal.
Nun ist es wieder an der Zeit …
Laut Protokoll-Buch des Stiftungsrates wurde am 12. Februar 1920 abgestimmt, eine Offerte für neue Kirchenglocken bei der Firma Schilling & Lettermann in Apolda einzuholen und eine Haussammlung zugunsten der neuen Glocken am Samstag, den 22. Februar 1920 vorzunehmen. Der Vertrag zur Glockenlieferung wurde am 7. März 1920 per Stiftungsratsbeschluss genehmigt.
Wann genau die Glocken S.Barbara. (g‘), S.Martinus.(c‘‘) und S.Bernardus. (es‘‘) im Glockenturm installiert wurden, ist uns nicht bekannt. Der Einzug mit dem Pferdewagen zur feierlichen Glockenweihe ist durch eine Fotografie beurkundet.
Dass dieses Zeitzeugnis dem Ort Steinenstadt und der Kirche St. Barbara erhalten werden muss, war immer unstrittig. Als würdige endgültige Heimat für die alten Glocken hat man auch, in Absprache mit dem Ortschaftsrat, die Ostseite der Kirche, direkt hinter der Sakristei, neben dem Steinkreuz am Friedhof ausgewählt. Und nachdem das leidige Thema der Finanzierung geklärt war, konnte der Platz noch Ende 2020 durch die Pflasterbaufirma Kuhn aus Neuenburg vorbereitet werden.
Zur großen Freude aller bekamen wir das großzügige Angebot von Frank Bliedtner, Inhaber der auf Metallverarbeitung und -veredelung spezialisierten Firma Design-1810 aus Schliengen, uns Arbeitszeit und Material für das Entrosten und Ölen der Glocken zu spenden. Die Glocken wurden deshalb im neuen Gewand am 15. Januar 2021 an ihrem vorgesehenen Ort aufgestellt und können nun bewundert werden.
Ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“ für dieses Projekt besonders dem Spender Frank Bliedtner Firma Design-1810 und unserem Ortsvorsteher Hans Winkler. Er hatte die Glocken fast zwei Jahre untergestellt, sich unentgeltlich um jeden Transport gekümmert und gemeinsam mit den Ortschaftsräten dafür gestimmt, dass die politische Gemeinde die Pflege des Platzes weiterführen wird.
Ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott“ allen, die uns in jeglicher Form unterstützt haben. Ohne Ihre Mithilfe wäre unser Projekt nicht gelungen! Silvia Scherrer













